Konzept

Einrichtungshaus Mathes

Mit konzeptioneller Kompetenz punktet der Objekteinrichter im Projektgeschäft. Dabei macht er sich zunutze, dass die Segmente Living und Office immer mehr verschmelzen. Auf Basis seiner breit aufgestellten Kollektionen schafft er Räume aus einem Guss. So auch bei seinem Kunden Käuferportal.

Autor
Ulrich Texter

Der rasante Technologiewandel hat in weiten Teilen der Arbeitswelt die traditionelle Büroarbeit gravierend umgekrempelt. Längst steht dem tradierten Setting der „Fossile“ eine Vielfalt von unterschiedlichen Arbeitsplatzsituationen und Arbeitsstilen gegenüber. Sie möchten nicht nur ein Mehr an Selbstbestimmung und ein „Feel at Home“-Gefühl bieten, sondern dazu beitragen, dass sich Unternehmen als attraktive Arbeitgebermarke positionieren können. Davon zeigt sich Thomas Mathes, Betriebswirt und Inhaber des Aachener Wohn-, Büro- und Objekteinrichters Mathes überzeugt.

Seine Vorstellung davon wie High-End-Einrichtung mit Lifestyle-Atmosphäre, hochprofessionell ausgestattete Arbeitsplätze mit preissensitiven Möbeln zusammengehen, setzte das Einrichtungshaus beispielsweise bei seinem Kunden Käuferportal um.

Das 2008 gegründete Startup ist Deutschlands größte Plattform rund ums Haus. Inzwischen ist das Unternehmen, das Produkte und Dienstleistungen im Wert von einer Milliarde Euro vermittelt, auch in Österreich und in der Schweiz aktiv. Das anhaltend starke Wachstum machte 2016 den Umzug von der Friedrichstraße in den von Renzo Piano entworfenen „Forum Tower“ am Potsdamer Platz in Berlin notwendig. Die im August 2017 bezogenen sieben Etagen und die gut 8 550 m² große Bürofläche bieten den 400 Mitarbeitern eine Melange aus „Urban Jungle“ und effizienten, attraktiven Arbeitsplätzen.

Zur Erfolgsgeschichte von Käuferportal trugen vor allem die qualifizierten und motivierten Mitarbeiter bei. Um neue Top-Leute anzulocken, sollten die neuen Büros zu den „coolsten“ Berlins werden, Als Basis diente die zentrale Idee eines Dschungels, der für Vielfalt, Bewegung, ständige Veränderung und Kreativität steht.

In organisatorischer Hinsicht sollte eine offene Bürostruktur entstehen, die Abteilungen verdichtet, Kommunikationswege verkürzt und Mitarbeitern Bereiche zum Austausch bietet. Dabei wurden die ehemalige Zellenstruktur nahezu komplett geöffnet und interne Treppenhäuser zur kurzen Wegeführung zwischen den Etagen eingebracht. Auf allen Geschossflächen finden sich Mitarbeiterlounges im Zentrum der Flächen, Coffeepoints in den internen Treppenhäusern sowie interne Besprechungsräume und Think-Tanks in allen Abteilungen.

Durchgängige Struktur planerisch abbilden

So weit so gut. „Urban Jungle“ klingt nach einem Wording, das jedes Startup aus dem Effeff beherrschen dürfte.

Für Thomas Mathes spiegelt sich hier gleichwohl die Kompetenz seines Unternehmens wider, weil die Ansprüche der verschiedenen Bereiche durch die Kollektionsvielfalt konsequent in der Einrichtung umgesetzt wurden. Das Spektrum reicht von Benches über Teppiche, Vorhänge und Dekoleuchten bis hin zu Schreineranfertigungen. „Die Planungen der Bench-Lösungen in 4-er-, 6-er- und 8-er-Gruppen hätte jeder gute Bürofachplaner ebensogut hingekriegt“, meint Mathes, „ob er aber die durchgängige Struktur vom Luxusbereich bis hin zu Urban Living planerisch hätte abbilden können, wage ich zu bezweifeln.“

Dabei kommt ihm zugute, dass das Einrichtungshaus Mathes breit aufgestellt ist. Und er kann den Kunden in seinen Räumlichkeiten viele Gestaltungsanregungen vermitteln. Auf mehr als 2 500 m² Fläche präsentiert der Einrichter vis-à-vis des Doms, in bester Aachener Innenstadtlage, die Kollektionen international führender Möbelhersteller.

Gegründet wurde das Unternehmen vor über 100 Jahren in Eschweiler als Bürobedarfsgeschäft, bevor man 1979 nach Aachen übersiedelte und sich auf den Verkauf von Designmöbeln und Bürogestaltung zu spezialisieren begann. Thomas Mathes, der nach seinem BWL-Studium in Köln und seiner anschließenden Trainee- und Vertriebstätigkeit bei Vitra das Projektgeschäft als zweite Firmensäule aufbaute und weiterentwickelte, beschritt weiterhin neue Wege. So ging 2011 beispielsweise das Portal www.design-bestseller.de als „Getränkeautomat“ an den Start, um am Ende der Aufbau- und Entwicklungsphase als Inspirationsplattform für Kunden zu dienen. „Ich glaube, wir leisten schon einiges auf dieser Plattform, gerade im Produktscouting“, meint Mathes.

Das Selbstverständnis des Einrichtungshaus Mathes geht also weit über das eines klassischen Bürofachausstatters hinaus. „Wir sind hybrid wie die Welt heute auch ist“, sagt Thomas Mathes, „denn die Segmente Wohnen und Office vermischen sich immer mehr.“ Genau diese Entwicklung zu mehr „Homing im Office“ spielt ihm in die Karten.

Er will mit der „Kraft der Kollektionen“ die dritte Dimension des Büros, den Arbeitsraum, gestalten. „Ohne konzeptionelle Kompetenz geht heute nicht mehr viel“, glaubt Mathes. „Aber im Ursprung sind wir Händler und das wollen wir auch bleiben.“ Das heißt für ihn allerdings nicht, nur auf High-End zu setzen. Für eine junge Familie, die noch an allen Fronten kämpft, müsse auch etwas dabei sein. Außerdem mache es heute die „Demokratisierung des Designs durch Skandinavier wie Hays“ möglich, eine Alternative zwischen Ikea und Minotti anzubieten. „Dieses Prinzip übertragen wir auch auf das Projektgeschäft.“


UNTERNEHMENSPROFIL

Firmierung: Mathes GmbH & Co. KG

Adresse: Büchel 29-31, 52062 Aachen

Webadresse: www.mathes.de

Geschäftsführung: Thomas Mathes

Gründungsjahr: 1915

Standorte: Aachen

Mitarbeiter: etwa 90

Besonderheiten: Mitglied der design.alliance;

Online-Shop (www.design-bestseller.de)

Portfolio (Auszug): Arper, Artemide, B & B Italia, Dedon, Driade, Foscarini, Gandia Blasco, Hay, Knoll International, Minotti, Occhio, Steelcase, Thonet, USM, Vitra


Thomas Mathes

„Wir leisten mit unserer Inspirationsplattform einiges im Produktscouting“


Das Interview mit Thomas Mathes sowie weitere Projektfotos finden Sie unter info.md-mag.com/
mathes

Weitere Innenarchitekturbeispiele

Hier geht es auf die Website von Mathes