Bedienelemente im Hotelzimmer

Smart Hotel

Szenisches Dimmen, Moodlight, intelligente Funktionen: Technisch geht vieles, doch wie erschließen sich die Funktionen dem Gast? Ein Überblick über aktuelle Lösungen – und ein Ausblick auf das Smart Hotel der Zukunft.

Autor Martin Krautter

Die Lampen aus blendenden Nachttischleuchten herausgeschraubt, der Leitung zur Stehleuchte auf der Suche nach einem Schnurschalter bis dahin gefolgt, wo der Staubsauger nicht hinkam, irgendwann völlig entnervt den Stecker gezogen: Wenn Sie noch nie solche Abenteuer erleben mussten, darf man Sie zur Wahl Ihrer Hotels beglückwünschen.

Doch nicht nur Technik von gestern, auch ein Zuviel an Komfort kann den Hotelaufenthalt im Smart Hotel unentspannt machen: etwa, wenn sich technische Funktionen tief in den Menüs von Bedientableaus oder hinter kryptischen Schalterklaviaturen verbergen. Oder wenn der Akku des eigenen Smartphones ausgerechnet dann versagt, wenn es als drahtloser digitaler Zimmerschlüssel dienen soll.

Der Gast im Mittelpunkt

Wie können Planer und Gestalter zu technischen Lösungen fürs Hotelzimmer finden, bei denen die Bedürfnisse der Gäste im Zentrum stehen? Dass zum Wohlfühlen im Smart Hotel eine differenzierte Beleuchtung des Zimmers gehört, ist Konsens. In aktuellen Häusern sind separat schaltbare Allgemeinbeleuchtung, Leselampen und stimmungsvolle Lichtkomponenten wie beleuchtete Vouten oder hinterleuchtete Betthäupter üblich. Doch Uneinigkeit herrscht nach wie vor darüber, wie diese differenzierte Beleuchtung zu bedienen sei – zum Leidwesen des Gastes, der damit beim Bezug des Zimmers manchmal vor detektivische Aufgaben gestellt wird. Ansätze gibt es viele: von konventionellen Lösungen mit Kreuz- und Wechselschaltern über tasterbediente Bussysteme bis hin zum Connected Hotel und Smart Room, in dem ohne Tablet oder Smartphone gar nichts mehr geht. „Den einen Königsweg gibt es nicht,“ meint dazu Martin Weiser, selbstständiger Lichtplaner und Experte für Hotelprojekte: „Man sollte jede Planung individuell betrachten – entscheidend sind das Konzept des Hotels und das angesprochene Gästeprofil.“ Denn was hippe, junge Reisende als eine coole und zeitgemäße „User Experience“ empfinden, kann den erschöpften Geschäftsreisenden schnell frustrieren. Ebenso macht es einen Unterschied, ob man längere Zeit in einem Resort verbringt und die Muße hat, sich mit technischen Finessen der Komfortausstattung zu befassen, oder ob man – wie gerade im Business-Bereich zunehmend – nur über eine Nacht zu Gast ist.

Weiser empfiehlt, gewisse Standards ganz unabhängig von der technischen Umsetzung einzuhalten: „Zum Beispiel eine Willkommens-Lichtszene, die den Gast empfängt, sobald er seine Schlüsselkarte in den entsprechenden Schalter im Raum steckt.“ Diese Lichtszene sollte tatsächlich alle im Raum vorhandenen Lichtquellen umfassen, damit der Gast die Möglichkeiten wahrnimmt und an seine Wünsche anpassen kann.

Ein weiterer Standard im Interesse der Gäste: Masterschalter direkt am Bett, die es ermöglichen, mit einem Fingertipp die gesamte Beleuchtung zum Schlafen auszuschalten, und zwar auf beiden Seiten, denn niemand möchte sich kurz vor dem Einschlafen auf der Suche nach dem Schalter quer übers Bett wälzen,“ betont Weiser.

Bussysteme bringen Komfort

Technisch betrachtet führen viele Wege zur komfortablen Bedienung der Zimmerbeleuchtung. Die von Martin Weiser benannten Basics lassen sich selbst in einer ganz konventionellen Elektroinstallation umsetzen. Gegebenenfalls sollten für mobile Leuchten wie Steh- oder Tischlampen spezielle, geschaltete Steckdosen vorgesehen werden. Für darüber hinausgehende Komfortfunktionen und Verknüpfungen waren bisher Installationsbussysteme wie KNX die Voraussetzung – und sie werden auch heute in vielen Hotelprojekten erfolgreich eingesetzt, denn sie liefern neben ihrer Hauptfunktion, das gesamte Gebäude durch Automatisierung und Vernetzung der Haustechnik wirtschaftlicher zu machen, den Komfort fürs Zimmer quasi als Sahnehäubchen mit.

Eine KNX-Infrastruktur wählte zum Beispiel auch das Stuttgarter Hotel SI-Suites, das mit Unterstützung des Forschungsprojekts Futurehotel am Fraunhofer IAO in Stuttgart zur Zeit seine Gästezimmer smart macht: Dort lassen sich über beschriftete Taster Lichtszenen wählen und dimmen, Musik wird via Bluetooth vom eigenen Handy wiedergegeben. Heizung, Lüftung und Beleuchtung werden beim Check-out des Gastes automatisch wieder auf „Stand-by“ gestellt – um nur einige Funktionen zu nennen.

Neben dem Platzhirsch KNX etabliert sich auch im Hotelbereich eine unübersichtliche Vielzahl von dezentralen, drahtlosen Steuerungssystemen, die häufig handelsübliche Tablets oder Smartphones zur Bedienung nutzen. Hier koexistieren nicht nur diverse Funkstandards von WLAN über Zigbee bis Bluetooth LE, sondern auch verschiedene Philosophien: Teilweise wird dem Gast im Zimmer ein mobiles Tablet oder ein fest installiertes Bedienpanel angeboten.

Das Kürzel BYOD steht hingegen für „Bring Your Own Device“, bei entsprechenden Konzepten wird das Mobilgerät des Gastes zur Schnittstelle zu den Komfortfunktionen des Zimmers – entweder über eine App, die der Gast installieren muss, oder niedrigschwelliger über eine mobilgerecht programmierte Webschnittstelle, auf die der Gast zum Beispiel über einen QR-Code oder eine Push-Nachricht zugreifen kann.

Häuser mit entsprechenden Systemen bekamen als Smart Hotel in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit in Fachmedien, und der Hotelier als Bauherr fragt sich jetzt natürlich: Brauche ich das in meinem Projekt auch?

Smart Hotel: Das Zimmer hört aufs Wort

Das kommt, wie schon eingangs gesagt, ganz auf das Konzept des Hauses an. „Es gibt Hightech-Lösungen, die sehr gut funktionieren,“ sagt Martin Weiser, „doch so richtig lohnt sich der Aufwand erst dann, wenn er auch aktiv an entsprechend innovativ eingestellte Zielgruppen vermarktet wird.“ Zum Beispiel dann, wenn sich ein Haus wie das Hotel Schani in Wien ganz gezielt als vernetztes „Smart Hotel“ positioniert (siehe md 4.2016). Dabei liegt die Zukunft womöglich weniger in immer aufwendigeren grafischen Darstellungen und Endgeräten, sondern ganz im Gegenteil im „Zero Interface“ – so nennen UX-Designer Technik ganz ohne sichtbare Bedienteile. Sprachsteuerung hat sich dank Alexa, Siri und Co. innerhalb kurzer Zeit bereits ihren Platz im Alltag vieler Anwender erobert.

Zusätzlich informieren Sensoren die lernfähige Steuerung, die dann zum Beispiel passend zu Wetter und Tageszeit eine Lichtszene vorschlägt oder den Weg ins Bad sanft illuminiert, wenn mitten in der Nacht jemand aus dem Bett steigt.

Die im Schnitt immer kürzere Dauer von Hotelaufenthalten stellt solche lernenden Systeme natürlich vor besondere Herausforderungen, doch auf typische Grundbedürfnisse und Verhaltensweisen des Gastes dürfte künstliche Intelligenz schon bald zuverlässig reagieren können.

 

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Operating Elements in Hotel Rooms

Smart Solutions

Staged dimming, mood-based lighting, intelligent functions: Technically, many things are possible, but how do guests accept these functions? An overview of current solutions – and an outlook on the hotel of the future

Having to unscrew the bulbs from dazzling bedside lights, feeling down the cable in search of a switch and reaching areas not even the vacuum cleaner can get to before becoming exasperated and pulling the plug: If you have never had this kind of experience, we can congratulate you on having found the hotel that is right for you. However, it‘s not just outdated technology, but also an excess of convenience that can make staying in hotels a nightmare: For instance, if technical functions have been profoundly embedded in the menus of operating panels or cryptic switch combinations. Or if your smartphone battery dies just when you need it as a wireless, digital room key.

Focusing on guests

How can planners and designers develop technical solutions for hotel rooms as part of which guests demands‘ are in the focus? It is not new that differentiated room lighting forms part of well-being in hotels. Modern hotels feature separately activated general lighting, reading lights and ambient mood lighting, such as illuminated cavities or backlit headboards. However, expert opinion still differs in terms of how to operate said differentiated lighting – with the result that guests are left behind and are sometimes forced to literally investigate how to control these features. There are many approaches: From conventional solutions with two-way or rocker switches to bus systems operated by buttons and connected hotels as well as smart rooms as part of which tablets and smartphones form a paramount element.

“There is no universal solution”, Martin Weiser explains as an independent lighting planner and expert for hotel projects. “Each project must be considered individually – the hotel‘s concept and the profile of guests to which the establishment aims to appeal are crucial.” Anything hip, young travelers consider a cool and contemporary user experience may quickly frustrate exhausted business travelers. It is also crucial whether guests spend longer periods of time at the resort and have the patience to look into the technical ins and outs of the convenience equipment or whether they are only staying the night – as is often the case with business-related guests.

Weiser recommends keeping to certain standards, regardless of the technical levels of implementation. “For instance a welcome lighting mode that welcomes guests as soon as they insert the key card into the corresponding slot in the room.” These lighting modes must actually include all light sources available in the room so guests are made aware of the options and can adapt them to individual demands.

Additional elements that should be standard for the benefit of guests are master switches directly at the bed that make it possible to switch off the entire lighting at once so they can go to sleep – “on both sides of the bed as no one wants to roll right across the bed in search of a switch shortly before going to sleep”, Weiser emphasizes.

Bus systems bring about convenience

From a technical perspective there are many ways to conveniently operate the lighting within rooms. The basics Martin Weiser mentions can even be integrated into a conventional electrical installation. If necessary, there should be dedicated sockets for mobile lighting, such as floor lamps or table lamps. Any additional convenience functions and links beyond these basics had previously required installation bus systems, such as KNX – and these are still successfully in use in many of today‘s hotel projects: Apart from their main function, namely making the entire building more efficient by automating and linking facility technology, these systems also deliver the convenience for individual rooms, more or less as a byproduct.

For instance, Stuttgart-based SI-Suites hotel, a development that is benefiting from support by the Future Hotel research project at the Fraunhofer IAO in Stuttgart, also opted for KNX infrastructure to give its guests smart options: As part of the system, labeled switches enable selecting and dimming lighting modes as well as playing music from guests‘ cell phones via Bluetooth. Heating, ventilation and lighting are automatically reset to standby once guests check out – and these are only some of the functions.

In addition to market leader KNX, a number of local, wireless control systems are also pushing onto the market. These systems are often operated using conventional tablets or smartphones. In this context different radio standards, such as WiFi, Zigbee and even Bluetooth LE coexist and the field is also dominated by different philosophies: Some systems offer guests mobile tablets or permanently installed operating panels in rooms.

In contrast, the acronym BYOD stands for „bring your own device“ and these concepts make guests‘ mobile terminals the interface to convenience functions within the room – either as part of an app guests must install or, as a simpler solution, with an online interface geared towards use on mobile devices to which guests are provided access with a QR code or by push notification. Establishments with corresponding systems have drawn significant amounts of attention to themselves from specialist media in recent years and hotel owners are now obviously asking themselves whether they also need these technologies in their projects.

Rooms obey every command

As mentioned earlier, this totally depends on the establishment‘s concept. “There are high-tech solutions that work very well”, Martin Weiser explains, “but the investment is only really worth it if it is also actively promoted to innovatively-minded target groups.” For instance, if an establishment like Hotel Schani in Vienna portraits itself as a networked, smart hotel (see md 4.2016).

In this process, the future may lie less in increasingly complex, graphical interfaces and terminals and more in so-called zero interfaces, i.e. technology UX designers develop without visible control panels. Thanks to Alexa, Siri and the like, voice control has already found its way into the everyday life of many users within a short space of time. Sensors additionally notify adaptive control systems to suggest lighting modes that match the weather and time of day or show the way to the bathroom in a pleasant way if someone has to get out of bed in the middle of the night. It goes without saying that the drop in average stays at hotels is posing particularly tough challenges to such adaptive systems, but we can only assume artificial intelligence will soon be able to reliably react to guests‘ typical basic demands and behavioral patterns. Author: Martin Krautter