Serie Smart Materials 26

Was ist Glanz?

Verblasst, verblichen, glanzlos – das sind die Attribute, die in den einschlägigen Hotelforen als Negativbewertung auftauchen. Auf der anderen Seite werben die Hotels selbst gerne mit Begriffen wie kulinarischer Glanz oder – ganz typisch – “erstrahlt in neuem Glanz”. Mit echten Qualitätskriterien hat das alles wenig zu tun. Hochglanz und Mattmatt – es geht in die Extreme. Versuch einer Definition.

Was ist Glanz? Die Interpretationen sind vielfältig. Im Hotelgewerbe spiegelt die Anzahl der Sterne Qualität und damit verbunden auch die Klientel der Gäste wider. Glanz und Glamour werden an einem ganzen Leistungskatalog festgemacht.
In der klassischen Definition wird Glanz als optische Eigenschaft von Oberflächen beschrieben. Der Grad der Intensität ist dabei abhängig davon, wie stark Licht reflektiert wird. Da dies aber ein Sinneseindruck ist, der wiederum von Betrachter zu Betrachter und von Situation zu Situation unterschiedlich ist, benötigt man für eine Definition von Glanz und seine Abstufungen weitere Parameter.
Für die exakte technische Glanzmessung werden sogenannte Reflektometer eingesetzt. Diese messen das reflektierte Licht in einem definierten Winkel. Je nach Material und Einstrahlwinkel ist dabei die Intensität des reflektierten Lichts unterschiedlich. Metalle haben eine deutlich höhere Reflexion als Nichtmetalle wie Kunststoff oder Lacke.
Obwohl es sich beim Glanz also um eine visuelle Wahrnehmung der Oberflächenbeschaffenheiten handelt, ist Glanz in gewisser Weise auch spürbar. Das wird daran deutlich, dass glatte Oberflächen eher stärker glänzen als raue. Oder kennen Sie eine raue Oberfläche mit hochglänzender Anmutung? Ursache für das Phänomen ist wieder die Reflexion, die bei glatten Oberflächen gerichteter ist als bei rauen. Deshalb sieht man auf glatten oder polierten Oberflächen auch Spiegelbilder.
Mit den neuen Beschichtungen und Oberflächenbehandlungen ist eine ganze Generation an neuartigen Werkstoffen auf den Markt gekommen. Die Grenzen des “Glanzes” verschieben sich deutlich. Sowohl bei den matten als auch bei den hochglänzenden Anmutungen geht der Trend in die Extreme. Ultramatte Plattenmaterialien und Folien können mittlerweile auch in stark beanspruchten Anwendungsbereichen, vom Auto über die Küche bis zum Hotel, eingesetzt werden. Beinahe schon spiegelnde Oberflächen setzen ihre markanten Glanzpunkte im Innenausbau und lassen alte, bisher noch glänzende Werkstoffe ganz schön matt aussehen.

Kolumnist Hannes Bäuerle

Unser Autor ist mit allen Sinnen von Materialien angetan. Nach seinem Innenarchitekturstudium gründete er die Materialagentur Raumprobe in Stuttgart. Er ist als Autor, Referent, ehrbeauftragter und Materialsammler tätig.

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