System der Zertifizierung für Innenräume

Prädikat nachhaltig

Die Qualität von Arbeitsräumen nach einem unabhängigen und vergleichbaren Verfahren zu beurteilen, ermöglicht ab sofort ein Zertifizierungssystem der DGNB. Über Nutzen, Verfahren und Ziele sprachen wir mit CEO Dr. Christine Lemaitre.

Autorin Marie-Luise Mugrauer

Seit Anfang 2017 stellt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB, ein Zertifizierungsverfahren für nachhaltige Innenräume zur Verfügung.

„Als Non-Profit-Organisation setzt sich die DGNB seit zehn Jahren dafür ein, ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit, aber auch die Chancen einer nachhaltigen Bauweise zu fördern – in der Fachöffentlichkeit genauso wie in der breiten Gesellschaft. Die Zertifizierung ist hierfür ein wichtiges Tool, da es ein gemeinsames Verständnis für die wichtigen Themen des nachhaltigen Bauens bei allen am Bau Beteiligten liefert. Es ist die gemeinsame Wissensbasis und ein Anreizsystem, um sich schon in einer frühen Planungsphase mit den Stellschrauben einer nachhaltigen Bauweise zu beschäftigen“, erklärt Dr. Christine Lemaitre, geschäftsführender Vorstand Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. Derzeit können sich für die Zertifizierung Innenräume von Büro-, Verwaltungsgebäude und Shoppingcenter qualifizieren.

Ablauf der Zertifizierung ist genormt

Weitere Gebäudetypen sollen nach der Marktversion im ersten Quartal 2018 hinzukommen. „Das Thema Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren bei viel mehr Menschen angekommen. Das gilt gerade auch im Bau- und Immobilienbereich, wo es insbesondere in den großen Städten bei Gewerbeimmobilien üblich ist, dass diese auch zertifiziert werden. Bei Innenräumen stehen wir noch etwas mehr am Anfang, weil es bisher vielleicht auch noch nicht das passende Angebot gab. Wir bemerken aber, dass immer mehr Unternehmen, die nicht originär aus dem Bausektor kommen, sich damit beschäftigen, wie sie bei ihren Mitarbeitern und Kunden im Bereich der Nachhaltigkeit punkten können. Und da kommen eben auch die Gebäude beziehungsweise Innenräume mit ins Spiel. Das gilt umso mehr in Zeiten eines „War for Talents“, ergänzt Dr. Lemaitre.

Der Ablauf der Zertifizierung ist genormt: Der Bauherr stellt einen Antrag auf Zertifizierung bei der DGNB und beauftragt einen Auditor, der das Bauvorhaben begleitet und aktiv berät. Eine detaillierte Dokumentation wird an die Zertifizierungsstelle gesendet und überprüft.

Weitere Kriterien im Arbeitsraum: Innenraumluftqualität, Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit

Abhängig vom Erfüllungsgrad der Kriterien, erhält das Projekt ein DGNB-Zertifikat in Platin, Gold oder Silber. „Je nachdem, um welchen Gebäudetyp es sich handelt, werden 13 Kriterien bei Handelsflächen beziehungsweise 16 Kriterien bei Büroflächen adressiert. Dabei geht es im ökologischen Bereich um Umweltauswirkungen und mögliche Risiken, eine umweltfreundliche Materialgewinnung sowie Energieeffizienz und Klimaschutz. Ökonomisch werden die Kosten über den gesamten Lebenszyklus des Projekts betrachtet sowie bei Büroflächen die Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit. Bei der soziokulturellen und funktionalen Qualität werden Themen wie die Innenraumluftqualität, der visuelle Komfort, die Aufenthaltsqualität und die Barrierefreiheit abgefragt; für Büroflächen zusätzlich der akustische Komfort sowie gesundheitsfördernde Angebote.

Ebenfalls gelten Kriterien wie Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit, Konzeptionierung und Voraussetzungen für eine optimale Nutzung, die Qualität der Projektvorbereitung sowie Verfahren zur gestalterischen Konzeption“, so Dr. Lemaitre. Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter bilden die wichtigsten Kriterien der Zertifizierung. Das fängt bei der Vermeidung von Schad- und Risikostoffen bei Baumaterialien an und führt sich in der alltäglichen Arbeit fort: ein hoher Tageslichteinfall, gute Akustik trotz offener Raumkonzepte, verschiedene Zonen für unterschiedliche Arbeitsbedürfnisse und aktive Elemente für den Bewegungsdrang.

Faktoren senken im Idealfall Zahl der Krankheitstage

„All diese Faktoren tragen bestenfalls zu einer hohen Konzentrationsfähigkeit und Produktivität bei und helfen im Idealfall, die Zahl der Krankheitstage zu senken“, erklärt Dr. Lemaitre.

Als beispielhaftes Projekt wurde der Deutschlandsitz des Bodenbelagherstellers Interface mit dem DGNB-Zertifikat in Platin ausgezeichnet. Das Konzept basiert auf den Gestaltungsprinzipien von Biophilic Design. Natürliche Elemente wie zum Beispiel die Klimawasserwand, organische Farben und Formen sowie ein Raumplan, der das Bewegungsbedürfnis der Mitarbeiter unterstützt, tragen zum Wohlbefinden innerhalb des Krefelder Unternehmens bei.

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

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