Studentenwettbewerb der VfA

Dynamic Workplace

Die Vereinigung freischaffender Architekten (VfA) suchte mit seinem Studentenwettbewerb 2016/17 nach Ansätzen und Konzepten für die Arbeitswelt von morgen. Jetzt stehen die Preisträger fest.

Studierende der Architekturfakultäten in ganz Deutschland waren aufgerufen, sich mit den künftigen Anforderungen zu beschäftigen, die aus dem neuen, fluiden Verhältnis von Mensch und Arbeit an die gebaute Umwelt erwachsen. Selbst wenn es oft so scheint, als wäre die Arbeit der Zukunft allein mit Begriffen wie Vernetzung und Datenaustausch beschrieben – auch die Wertschöpfung im digitalen Zeitalter braucht Ort und Raum.

Die Jury begutachtete 19 bewertbare Arbeiten, die sich dem Thema auf ganz unterschiedliche Weise näherten. Das weite Spektrum der Einreichungen spiegelte auch die Größe der Aufgabe wider: Neben soziologisch unterfütterten, theoretischen Konzepten hatten die Teilnehmer sowohl konkrete städtebauliche Entwürfe als auch detaillierte Innenraumplanungen eingereicht. Das Gros der Arbeiten beschäftigte sich mit der Gestaltung städtischer Arbeitswelten und reflektierte die sich wandelnden räumlichen Zusammenhänge von Erwerbsarbeit, Wohnen, Freizeit und Kommunikation.
Vergeben wurden am Ende zwei erste Preise, einen dritten Preis sowie zwei Anerkennungen. Die mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Auszeichnungen wurden im Rahmen des JUNG-Architekturgesprächs am 20. April 2017 in Frankfurt am Main verliehen. Zusätzlich erhalten die Preisträger ein db-Abonnement sowie eine kostenlosen VfA-Mitgliedschaft.
1. Preis: „Travaillez jamais!“ / Nick Förster und Janina Sieber, TU München
Das Konzept widmet sich den neuen räumlichen Zusammenhängen von Kommunikation und Arbeit auf städtischer Ebene. Die Entwurfsverfasser betrachten die Ausdehnung von Arbeitsräumen als rhizomatischen Prozess, der sich entlang von Straßenzügen kreativer urbaner Nachbarschaften vollzieht und bei dem die Arbeit wie ein Krake nach und nach so unterschiedliche Bereiche wie Büros, Wohnungen, Cafés und Freiräume besetzt.
„Über keine andere Arbeit hat sich die Jury so ausgiebig gestritten, wie über diese.“
1. Preis: „Productive Workspace“ Herzbergstraße, Berlin / Pia Gesenhues und Lisa-Marie Schwuchow, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover
Der städtebauliche Entwurf widmet sich der Nachverdichtung und Aufwertung eines bestehenden Gewerbegebiets im Osten Berlins. Das kleinteilig genutzte Areal wird durch beherzte Interventionen zu einem gemischten städtischen Quartier, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit so miteinander verzahnt werden, dass die unterschiedlichen Nutzungen in einer neuen räumlichen Qualität aufgehen.
„Eine gut durchgearbeitete Planung, die sich klug mit einer konkreten Aufgabenstellung auseinandersetzt.“
3. Preis: „ Movere“ / Johanna Lederer, Universität Stuttgart
Der Kern des Entwurfs für einen Pavillon auf dem Campus der Universität Stuttgart ist die Bildung immer neuer Räume, die durch die Bewegung von Vorhängen entstehen. Je nach Bedarf lassen sich durch die steuerbaren Elemente kleine oder größere Bereiche abtrennen oder öffnen. Eine „Barbox“ dient als Kommandobrücke der simplen Konstruktion: Sie wird während der Öffnungszeiten nach oben gezogen und signalisiert schon von weitem: Das Haus ist geöffnet. Dank seiner schlichten Bauweise und der einfachen, leichten Materialien kann das pavillonartige Gebäude an nahezu jedem Standort errichtet und betrieben werden.
„Eine charmante, kleine Arbeit, die ein schönes Wechselverhältnis mit ihrer Umgebung eingeht.“
Anerkennung I: Co-Working in Krampnitz / Elina Watschkowa, Hochschule Wismar
Der Entwurf schlägt die Umnutzung einer ausgedienten Kaserne Potsdamer Ortsteil Krampnitz vor, die künftig als Co-Work-Space genutzt werden soll. Die große Herausforderung bestand darin, ein streng und geschlossen strukturiertes Militärgebäude in einen modernen, offenen Arbeitsort zu verwandeln. Durch die Öffnung der Dachflächen und einen neuen Wintergarten erhält der historische Kasernenbau einen gänzlich neuen Charakter, ohne dass die denkmalwerten Strukturen dabei preisgegeben werden.
Es gelingt der Entwurfsverfasserin auf überzeugende Art, sowohl die problematische Geschichte der ehemaligen NS-Kaserne zu thematisieren als auch dem peripheren Standort eine moderne Nutzung zuzuführen.
Anerkennung II: „Magic Cube“ / Alexander Grelle, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover
Die Idee dieses Entwurfs geht auf Pioniere wie Yona Friedman und Hermann Hertzberger zurück, die schon in den 1960er-Jahren auf der Suche nach Großstrukturen für neue flexible soziale Zusammenhänge waren. Auch der Magic Cube ist eine Matrix, die mit würfelartigen Boxen bestückt wird und sich je nach Bedarf seiner Nutzer verändert. Auch wenn wichtige funktionale Fragen ungeklärt bleiben, besticht der Entwurf durch seinen couragierten Umgang mit Farbe und Form sowie den Versuch, eine schon fast klassische Fragestellung moderner Architektur für die Herausforderungen der Zukunft zu bemühen.