Designer Chat

Orio Tonini

Lieber ging Orio Tonini von Anfang an den schwierigen Weg einer Selbstständigkeit, als sich an den „common way of thinking“ eines Büros anzupassen. Allein und frei in seinen Entscheidungen arbeitet der Italiener als Architekt und Designer in Amsterdam.

Interview Katharina Feuer

Erzählen Sie von Ihrem Weg, als Italiener nach Amsterdam zu gehen und als Architekt zu arbeiten.

Orio Tonini: Ich habe in Italien studiert, um anschließend in der Schweiz und in Amsterdam weiterzustudieren und habe in Holland meinen Abschluss gemacht. Dort bin ich hängen geblieben, wie man so schön sagt. Das war für mich auch eine logische Konsequenz.

Warum sind Sie nicht nach Italien zurückgegangen?

Ich habe bereits während des Studiums Arbeitskooperationen in Amsterdam aufgebaut, an die ich danach anknüpfen konnte. Es war, wie gesagt, logisch hier zu bleiben.

Wo, meinen Sie, liegen die Vorteile, in den Niederlanden zu arbeiten?

Die Handwerker haben einen hohen Grad an Professionalität. Sie arbeiten sehr präzise. Die Einstellung der Menschen stimmt. Und auch das Verhältnis zwischen Geschäftspartnern empfinde ich als sehr professionell und zuverlässig.

Sie arbeiten allein?

Ja. Die meiste Zeit.

War das auch von Anfang an klar?

Irgendwie schon. Ich wollte einfach mein eigenes Ding machen. Es ist zwar leichter, in ein bereits etabliertes Büro einzusteigen. Aber man ist als selbstständiger Freelancer freier in seinen Entscheidungen.

Ist das nicht einsam?

(Tonini lacht) Nein, ich bin nicht einsam. Ich pflege regelmäßig den Austausch mit anderen Architekten.

Sind Sie mehr Architekt oder Produktdesigner?

Ich mag diese Form der Klassifizierung nicht. Ich bin gelernter Architekt, arbeite aber mittlerweile auch viel als Produktdesigner. In meinen Produkten, taucht der architektonische Bezug oft auf.

Wie bei den L3-Profilen für den belgischen Hersteller Orac?

Genau!

Was war die Herausforderung bei diesen Design-Profilen?

In einer Zeit, in der in Architektur und Design alles Überflüssige weggelassen wird und die Formensprache von einer starken Reduktion dominiert ist, war es ein Wagnis, unterschiedliche Profilleisten für Wand, Decke und Boden zu entwerfen. Sie greifen einerseits dekorativ und gestaltend in das Erscheinungsbild eines Raumes ein. Auf der anderen Seite, sind die Leisten so dezent, dass sie den Raum nicht dominieren.

Warum sollten Architekten diese Profilleisten nutzen?

Sie können Wände mit Licht gestalten. Die Lichtquelle bleibt dabei versteckt. Sie können mit den Profilleisten Wände abschließen, einbinden, strukturieren, ihnen eine dritte Dimension geben.

Weitere Designer Chats finden Sie hier