Designer Chat

Markus Bischof

Der Produktdesigner hört auf seinen Bauch – der berät ihn bestens. So wundert es nicht, dass Markus Bischof ein glückliches Händchen hatte mit bisherigen Partnern, Kunden und Entwürfen. Pippi Langstrumpf spielt dabei auch eine prägende Rolle.

Interview Katharina Feuer

Was war der Grund für die Zusammenarbeit mit Mauser?
Nach dem Studium hatte ich Investitionsgüter für Trumpf Maschinenbau entwickelt und Erfahrungen in der Blechverarbeitung gesammelt. Ich wollte das Wissen im Produkt anwenden und habe Mauser initiativ angesprochen. So kam es, dass ich mit dem Stauraumprogramm ‚xitan.s‘ beauftragt wurde, dem Nachfolger von ‚Sistemare‘, das Michele De Lucchi in den 1990ern gestaltet hat.
Was haben Sie geändert?
Mir war es wichtig, das Stahlmöbel erkennbar zu machen und Details zu schaffen, die ein Holzmöbel nicht leisten kann. Der Arbeitstitel war ‚Leichtigkeit in der Aufgabe‘. Planung, Aufbau und Nutzung wurden sehr detailliert ausgearbeitet, dabei entstand ein automotives, integriertes Design, welches Räume akzentuiert und in jede Umgebung passt.
Und das kam gut an.
Ja sehr! ‚xitan.s‘ ist scheinbar ein Unisex-Möbel, das Frauen und Männer gleichermaßen anspricht. Kenner waren von der komplexen Fertigung begeistert. Wir haben seither viel Lob erhalten, auch von Mitbewerbern – das hat mich schon beeindruckt.
Wie entwickeln Sie ein Produkt?
Ich versuche im Vorfeld bei einer neuen Aufgabe nicht zu viel zu recherchieren, sondern erst einmal eigene Bilder entstehen zu lassen. Ansonsten läuft man Gefahr, nicht mehr zwischen Gesehenem und selbst Erdachtem zu unterscheiden. Zudem bin ich sehr wahrnehmungssensibel. Wie wirkt ein Produkt aus der Ferne? Wie, wenn ich auf es zugehe? Was veranlasst mich, mehr darüber zu erfahren und es letztendlich zu kaufen? Es kommt auf die ganzheitliche Wahrnehmung an.
Sie haben 2010 das Label „… von frei laufenden glücklichen Handwerkern“ gegründet.
Stimmt. Wir haben viele Handwerksfreunde aus fast jedem Gewerk. Wir entwickeln Kleinserien und bilden zudem die Schnittstelle zwischen Herstellern und Handwerkern. Das wird gut angenommen. Denn das Kuriose ist doch, dass wir beim Essen auf Bio und Nachhaltigkeit achten und bei Möbeln weit weniger kritisch sind. Für mich stehen Möbel für ein ganzes Leben. Wir agieren nachhaltig. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern das ist die Realität.
Sie haben die Nachhaltigkeitsfrage vorweggenommen.
Natürlich ist das ein Thema, das so wichtig ist, wie Wasser zu trinken. Ich muss mir doch die Konsequenz des eigenen Handelns vor Augen führen.
Wann fiel die Entscheidung, Designer zu werden?
Nach meiner Gesellenprüfung habe ich noch genau einen Monat als Tischler gearbeitet und dann gekündigt. Das war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Ich dachte zuerst daran, Berufsschullehrer zu werden – ich fand meine Lehrer immer klasse. Selbstreflexion und die Projekte für Vitra während der Lehre hatten aber auch mein Interesse an Design geweckt. Im Grunde wollte ich etwas machen, was für mich mehr Bedeutung hat … und immer Neues.
Der Wunsch nach etwas Neuem führte Sie dann während des Studiums nach New York zu Karim Rashid.
Genau. Eigentlich wollte ich an die Westküste. Das war 2005 nicht so leicht. Ein Freund meinte, ich solle es doch mal bei Karim in NY probieren. Mein erster Gedanke war: „Ja klar, weil er dann „ja“ sagt.“ Hat er aber wirklich. In den sieben Monaten habe ich viel gearbeitet, bin an meine Grenzen gekommen und habe außerdem einen besonderen Freund gewonnen. Das ist jetzt über zehn Jahre her.
Und New York war keine Option?
Ich bin noch oft in der Stadt, aber damals war ich noch jünger und wollte unterschiedliche Erfahrungen im Design sammeln, deswegen ging es weiter …
… zum eigenen Büro.
Das kam später – 2010. Das war aber sicher schon Teil meiner Bedürfnisse und meines Plans.
Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Ich spreche gerne vom Pippi-Langstrumpf-Prinzip: „Mach Dir die Welt, wie sie Dir gefällt!“ Wie sollte ein Produkt in Deiner perfekten Welt aussehen? Das ist für mich kein egoistischer Ansatz, sondern ein Bekenntnis, Spaß an der Aufgabe zu haben. Außerdem finde ich die Frage nach dem „Warum?“ so wichtig. Dinge hinterfragen. Sich eine kindliche Neugierde bewahren. Diese Eigenschaften sind meiner Meinung nach auch der Grund, weswegen sich Firmen externe Designer ins Boot holen. Sie können einen neugierigen Blick auf interne Abläufe werfen und Firmen den Mut geben, ihre eigene DNA zu hinterfragen: „Warum macht ihr das nicht so und so?“