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Marcin Rusak

Die Arbeit von Marcin Rusak ist Fleißarbeit, weniger Flower Power. Mehr als zwei Jahre forschte der Designer und Künstler an unterschiedlichen Methoden, Blumen in Kunstharz zu verewigen. Seine ‚Flora Collection‘ besteht aus Kunstwerken, die Sammler- und Liebhaberstücke sind und bereits weltweit ausgestellt wurden.

Autorin Katharina Feuer

Ich habe zwar Ihren Lebenslauf vorliegen, Marcin, aber können Sie trotzdem kurz Ihren Weg erläutern?

Marcin Rusak: Ich bin in Warschau geboren und aufgewachsen. Mein Großvater hatte eine Gärtnerei, die er allerdings – die Gründe kenne ich nicht – meiner Mutter nicht vererben wollte. Unsere Familie hatte schon einmal intensiv mit Blumen zu tun, ohne dass ich direkt daran anknüpfen konnte. Gerne würde ich mit meinem Großvater über meine Arbeit sprechen, aber er starb, als ich noch sehr klein war.

Ich habe erst in Warschau studiert, dann in Eindhoven und bin dann noch nach London gewechselt, wo mich die Blumen wieder eingeholt haben. Ich habe mit Pflanzendruck begonnen und meinen Master gemacht. Während dieser zwei Jahre habe ich mich intensiv mit der Verarbeitung und Manipulation von Blumen befasst. Sie sind vergänglich. Ich wollte ihre Schönheit einfangen. In Kombination mit Kunstharz ist mir das gelungen. Trotzdem weiß man nicht hundertprozentig, wie sie sich so verarbeitet im Laufe der Zeit verändern. An ihre Stelle treten transluzente Hohlräume. Es ist spannend.

Aus der Neugierde für das Material sind dann erste Prototypen entstanden. Zuerst: Paravent, Tisch und Lampe. Mittlerweile arbeite ich mit einem Team und weitere Stücke sind hinzugekommen.

Marcin, danke für das Interview!

(Lacht) Ich weiß, es ist schwierig, acht Jahre in drei Minuten zu quetschen.

Schon mal überlegt, in die Fußstapfen Ihres Großvaters zu treten?

Nein, die Ländereien sind verkauft, dort stehen jetzt Häuser.

Wie schade.

Ja, das ist es. Aber ich bleibe meinen Wurzeln treu. Meine Schwester arbeitet als Künstlerin in Warschau. Wir arbeiten manchmal zusammen.

Wie ist die ‚Flora Collection‘ aufgenommen worden?

So gut, dass ich entgegen meiner Pläne vier Jahre lang nur dieses Projekt hatte. Zeit für etwas anderes blieb einfach nicht. Stattdessen habe ich die ‚Flora Collection‘ erweitert.

Was genau passiert mit den Blumen?

Ich seziere und manipuliere sie. In Scheiben geschnitten offenbaren sie die Schönheit und Struktur ihrer Blütenblätter, Stiele und Blattadern. Im Kunstharz bewahren sie ihre Struktur und verändern sich nur langsam. Hohlräume entstehen.

Sind Ihre Objekte Möbel, Skulpturen oder gar Kunst?

Wir produzieren nur auf Bestellung. Für einen Tisch benötigen wir ein halbes Jahr … es sind mehr Kunstobjekte.

Ihre Pläne jetzt?

Ich bereite eine Ausstellung in New York mit 30 Objekten vor.

Auch wieder mit Blumen?

Nein, mit Metall!

Sie leben und arbeiten in London. Sind Sie ein polnischer Künstler in London? Europäer? Oder gar Brite?

Die Frage nach der kulturellen Zuordnung finde ich spannend. Ich bin zwar in Polen aufgewachsen, aber meine Ausbildung habe ich hauptsächlich in Eindhoven und in London erhalten. Und das in einem internationalen Umfeld. Manche nennen mich polnischen Künstler, manche britischen Künstler. Von mir aus müsste man das gar nicht unterscheiden.

Wie erleben Sie London seit der Brexitentscheidung?

Erst einmal ist nichts passiert. Und dann wurden die Menschen nervös, weil nichts passiert ist. Die Unsicherheit und fehlende Informationen machen es nicht besser. Am Anfang glaubte man, dass sich der Brexit nicht auf die Kreativindustrie auswirken würde, aber das war naiv. Ich bin natürlich auch gespannt, wie es sich für mich persönlich weiterentwickeln wird. Kann ich hier weiterarbeiten? Wie sieht es mit Praktikanten aus? Sie kommen aus der ganzen Welt!

Sind Sie Einzelkämpfer oder mehr der Teamplayer?

Bis Ende vergangenen Jahres habe ich noch alles allein gemacht: Recherche, Handwerk, Fotos, Webseite, Pressearbeit und Organisation. Einfach alles. Jetzt habe ich Hilfe mit einem kleinen Team und das ist toll. Finale Entscheidungen liegen jedoch bei mir.

Ihr Londoner Studio stelle ich mir ‚organisch‘ vor.

Ja, das ist manchmal schon eine Sauerei, wenn wir mit Pflanzen experimentieren. Aber jeder Arbeitsschritt hat im Studio seinen Platz und in meinem Büro ist es sogar extrem ordentlich. Ich könnte mich sonst gar nicht konzentrieren.

Marcin Rusak Studio

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