Designer Chat

Gjalt Pilat

Der Designer aus dem niederländischen Friesland ist Autodidakt. Die Liebe zum Material und der Wunsch, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, führten zum Familienunternehmen. Erster Entwurf: Der Kinderstuhl für Tochter Kristien, die mittlerweile auch bei Pilat&Pilat arbeitet. Seine Möbel: zeitlos, für Generationen.

Interview Katharina Feuer

Etwas ratlos sitze ich vor dem Telefon. Annelies Pilat hat mir eben eröffnet, dass ihr Vater, Gründer und Inhaber des Familienunternehmens Pilat&Pilat, keine Interviews gibt. Einen Versuch wage ich noch und schlage vor, das Gespräch schriftlich zu führen. Es folgt ein unerwarteter Rückruf – von Gjalt Pilat. Seine Antworten gibt er überlegt. Und auf Deutsch –, gespickt mit niederländischen und friesischen Worten.
Herr Pilat, Sie haben vor über 40 Jahren angefangen, Möbel zu restaurieren und ziemlich schnell auch eigene entworfen. Können Sie von ihren Anfängen erzählen?
Ich habe schon immer gerne mit meinen Händen gearbeitet und das Material Holz liegt mir am Herzen. Also habe ich erst alte und später eigene Möbel auf dem Hof in Twijzel bearbeitet und gebaut.
Sie sind also kein Designer?
Nein, Autodidakt.
Sie haben aber das Schreinerhandwerk erlernt?
Nein, ich bin Autodidakt (lacht).
Ihr erster Entwurf?
Das war ein Kinderstuhl für meine älteste Tochter Kristien. Sie arbeitet seit 2001 als Designerin im Unternehmen.
Arbeiten Sie mit ihr zusammen?
Nicht den ganzen Prozess. Jeder hat seine Entwurfsideen und erst später setzt man sich zusammen und arbeitet im Team – mit Respekt und Spaß.
Ihre zweite Tochter Annelies arbeitet auch im Familienunternehmen.
Annelies arbeitet im Marketing. Sie und auch Kristien stehen im Vordergrund. Ich agiere mehr im Hintergrund. Das klappt sehr gut so.
Ihre Möbel tragen die Namen von Familienmitgliedern.
Ja, das sind Möbel aus der ‚Famylje collection‘. Das ist Friesisch für Familie. Manchmal nehmen wir nach Jahren einen Entwurf, also einen Namen wie Jelle, aus dem Sortiment, dann fehlt der mir richtig. Später kann es sein, dass es eine Jelle 2 gibt.
Haben Sie eine Designphilosophie?
Nicht direkt. Aber ich habe im Laufe der Jahre eine Haltung entwickelt. Meine Philosophie ist der rote Faden, der sich durch mein Arbeitsleben zieht. Ich will keine Trends verkaufen.
Sondern?
Zeitlos schöne, qualitativ sehr hochwertig verarbeitete Möbel. Durchaus modern. Sie sollen ihre Besitzer ein Leben lang begleiten. Dieses Verständnis sollten Designer, die für uns arbeiten, auch verinnerlichen.
Wie kam es zum ‚Wybe‘-Tisch?
Mein Interesse an alten Dingen und Produkten hat mich zu dem Entwurf gebracht. Man kennt die quadratischen Blöcke aus Hirnholz am Boden. Und die Rautenmuster 120 Jahre alter Stoffe. Darauf beziehe ich mich. Die Tischplatte ist mit 4 cm recht massiv. Ober- und Unterseite gleichen sich.
Gab es Hürden bei der Entwicklung?
Als Autodidakt arbeite ich immer gleich mit Prototypen, 1:1-Mock-ups. Jetzt stehen bei uns vier solche Tische herum. Die ersten drei waren nichts.
Wo lag das Problem?
Die Füße waren erst zu dick. Dann an der falschen Position. Und es gehört auch eine Bank dazu. Das musste alles in seinen Proportionen harmonieren.
Wie lang dauerte der Prozess?
Beim ‚Wybe‘-Tisch habe ich vier bis fünf Monate benötigt.
Haben Sie ein Vorbild?
Die Arbeit von Hans Wegner, seine Entürfe aus den 1950er- und 1960er-Jahren sind beeindruckend.
Inwiefern?
Die Möglichkeiten, die wir heute in der Holzverarbeitung haben, gab es vor 60 Jahren noch nicht. Was er aus Holz erschaffen hat, mit welch einfachen technischen Mitteln – das imponiert mir immer noch. ←