Interview mit Henri Cleinge architecte

Henri Cleinge über das goldene Zeitalter

Im ehrwürdigen Gebäude der alten Royal Bank in Montréal von 1926 kombinieren Henri Cleinge Architecte akustisch spannende feste und temporäre Arbeitsplätze. Im exklusiven Interview erläutern Sie die Herausforderungen des Projekts und ihre Designphilosophie.

Architekten Paulette Taillefer, Henri Cleinge

Büro: Henri Cleinge architecte, Montréal/Kanada
Gründung: 1998
Mitarbeiter: 3
Arbeitsgebiete: Interiors, Wohnhäuser, Öffentliche Bauten
Ihre Designphilosophie?
Wir entwickeln einfache und klare Konzepte.
Wie finden Sie Ihre Inspirationen?
In Projekten, die nicht nur Designelemente sondern auch räumliche Vorstellungen kommunizieren.
Welches Projekt war für die Entwicklung des Büros das wichtigste – und warum?
Das Beaumont-Haus, ein Betonhaus, in dem auch Holz zum Einsatz kommt. Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel für unseren Ansatz. Es werden Materialien in ihrem Rohzustand verwendet. Diese werden im Kontext durch die Bewegung im Raum lebendig. Die Designelemente umfassen Boden wie Decke und sind in die Architektur integriert.
Fakten
Projekt: Crew Collective & Café
Standort: 360 St-Jacques, Montréal, Quebec/Kanada
Eigentümer/Bauherr: Gestion Georges Coulombe
Auftraggeber: Crew Collective
Bauaufgabe: Renovierung innen
Baubeginn: Dezember 2015
Fertigstellung: Mai 2016
Geschossgrundfläche: 2 665 m²
Projektnutzfläche: 1 115 m²
Materialien: Decke und Wand Trockenbau CGC; Boden weiße Eiche; Laminat Formica; Türen Dorma; Glaswände Techni-Verre; Vermessingte Stahlwandpaneele LineaP; Eingestellte Boxen Kastella; Betonpaneele Atelier B
Beleuchtung: Sistemalux; Kronleuchter Authentik
Möblierung: Workstations mit Tischen und beweglichem Mobiliar: De Gaspé, Bürostühle und Konferenzstühle Herman Miller; Caféteria-Stühle EQ3
Ein Statement zum Projekt ‚Crew Collective & Café‘:
Gab es positive oder negative Überraschungenbei der Realisierung?
Ja, mehrere. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass der vermessingte Stahl ein sehr wichtiger Bestandteil sein würde, aber dass er so gut im räumlichen Kontext wirkte, hat uns positiv überrascht.
Wir waren auch überrascht, dass der Hausbesitzer sich während des Entwicklungsprozesses als so konstruktiver Faktor herausstellte. Er war uns gegenüber sehr aufgeschlossen und investierte viel Energie in die Erhaltung der neoklassizistischen Fassade, bei gleichzeitiger Integration unserer Eingriffe.
Die Wünsche/Ziele von Bauherren – was sollte das Projekt erreichen?
Um zwischen einem Bauherren und unserem Auftraggeber, der ein Mieter ist, zu unterscheiden, möchte ich für beide antworten.
Der Bauherr/Eigentümer wollte sein denkmalgeschütztes Gebäude erhalten und wünschte ein Projekt, das die Würde und Qualität der ursprünglichen Fassade spiegeln würde.
Unser Kunde/Auftraggeber dagegen wollte ein dynamisches Projekt, das den bestehenden Raum neu beleben würde, indem neue Funktionen geschaffen würden. Sein Ziel war eine pulsierende Arbeitsumgebung, die sowohl die Mitarbeiter als auch das Publikum/die Öffentlichkeit/die Kundschaft anspricht.
Das Projekt berücksichtigt die Vorstellungen des Eigentümers diskret und unaufdringlich – es wiederbelebt die neoklassizistische Fassade. Und für unseren Klienten sind die neuen Eingriffe modern, auch wenn sie zurückhaltend sind. Sie gaben dem Raum ein neues Leben. Die Kombination von reichen historischen Details und minimalistischen Eingriffen gibt dem Projekt eine einzigartige Atmosphäre.