Euroshop 2017

Retail: Alles was der Handel braucht

Die Euroshop hat ihre Stellung als Innovationsplattform und Leitmesse für den Handel untermauert. Über 110000 Fachbesucher sprechen eine deutliche Sprache.

Autor: Alexander Kuckuk

In diesem Jahr präsentierte sich die Euroshop mit einem neuen Konzept. Die bisherigen vier Bereiche werden durch ein System ersetzt, das sich in sieben Erlebnis-Segmente gliedert: POP Marketing, Expo & Event Marketing, Retail Technology, Lighting, Visual Merchandising, Shop Fitting & Store Design und Food Tech & Energy Management. Vor Ort hat sich gezeigt, dass das Konzept durchaus Hand und Fuß hat.
Digitalisierung im Handel
Eines der Hauptthemen der Euroshop war die Digitalisierung im Handel. Denn der Kunde „streift“ kanalübergreifend durch reale und virtuelle Shoppingwelten. Will heißen: Händler werden die unterschiedlichen Kanäle derart miteinander verknüpfen müssen, dass ihre Produkte und Services über alle Kanäle hinweg größtmöglichen Komfort aber auch Spaß am Einkaufen gewährleisten. Der physische Einbau digitaler Geräte stellt für die Ladenbauer längst keine Hürde mehr dar. Zwar muss die Möblierung stromführend sein und mit Datenleitungen ausgestattet sein, doch das wird mittlerweile von zahlreichen Playern gemeistert. Entscheidend ist: Das Gesamtkonzept aus Mobiliar, Hardware, Software und Content muss stimmen. Jörg Becker, Creative Director bei der Kommunikationsagentur Blocher Blocher merkt dazu an: „Wenn man denkt, man hat ein Storedesign und nun plant man ein paar Screens dazu – dann ist das Projekt schon gescheitert.“
Licht als Infrastruktur
Mehr und mehr stellen sich die Akteure auf die neuen Erfordernisse ein. Das österreichische Unternehmen Umdasch Shopfitting beispielsweise hat vor einiger Zeit den Technologie-Spezialisten MMIT Retail übernommen. Auf diese Weise sollen die reibungslose Integration digitaler Elemente gewährleistet werden. Interessant in diesem Kontext ist die Idee, Licht als Infrastruktur für innovative Kundenerlebnisse im stationären Handel zu nutzen. Durch die Nutzung der vorhandenen Beleuchtungsinfrastruktur, deren Beleuchtungskörper mit Sensoren ausgestattet werden, ist es möglich den Verbrauchern über eine Kunden-App eine Vielzahl von neuen Services anzubieten. Pilotprojekte dazu gibt es bereits. Ein Edeka-Markt in Düsseldorf setzt das lichtbasierte Philips-Indoor-Positionierungssystem IPS ein, das Kunden zu den Produkten navigiert. Auch die Zumtobel Group hat eine Vision des „Internets des Lichts“. Zusammen mit der französischen Supermarktkette Leclerc wurde ein entsprechendes Projekt gestartet.
Emotionalisierung pur!
Für Läden selbst gilt: Emotionalisierung pur! Storytelling ist gefragt. Ob Architektur, Design, Beleuchtung oder die Einbettung digitaler Medien, alles muss einer gemeinsamen Dramaturgie folgen, um dem Kunden den gewissen Kick zu geben. „Die Digitalisierung zwingt die Retail-Welt, eine neue Existenzberechtigung zu finden. Überraschenderweise führt das die Branche zurück zu ihren Wurzeln: Heute erfolgreiche Konzepte zelebrieren menschliche Interaktion. Der Gastgeber eines Geschäfts und eine sorgfältig kuratierte Produktauswahl machen den Unterschied“, so Nora Fehlbaum CEO Vitra. Man sieht der stationäre Handel, allen Unkenrufen zum Trotz, lebt und die Euroshop ist der perfekte Marktplatz, um alle am Retail Beteiligten mit kreativen Ideen zu versorgen.