Ampelphase im Vitra Showroom

Heimat im Schaufenster

Zur achten Ampelphase im Vitra Showroom in Frankfurt haben sich sechs Architektur- und Kreativbüros aus der Region dem Thema Heimat gewidmet – mit sehr diversen und anregenden Installationen.

Autorin Martina Metzner

Heimat ist ein großer Begriff. Lange Zeit ideologisch gefärbt und in unmittelbarer Nähe zu sentimentalen Kitschwelten verortet, scheint es wieder eine starke Sehnsucht nach „Heimat“ in unserer globalisierten und sich im Umbruch befindenden Welt zu geben. Haben Design und Architektur darauf eine Antwort?

Im Vitra Showroom in Frankfurt am Main haben sich sechs Architektur-, Planungs- und Kreativbüros dieser Frage im Rahmen der Ampelphase gewidmet und sie mittels kleineren Installationen versucht zu beantworten. Bereits zum achten Mal findet diese Veranstaltung noch bis zum 15. September statt – und macht sich die täglich rund 40.000 Autofahrer der Gutleutstraße, die vor dem Showroom an der Ampel warten müssen, zu Nutze. Und so unterschiedlich Heimat für jeden einzelnen ist, so divers zeigten sich auch die Herangehensweisen und Ergebnisse der Büros.

Von außen am plakativsten erscheint eine raumhohe Kuckucksuhr, die Atelier Markgraph aus Frankfurt in Kooperation mit Bildwerk aus Wien „Heimatgenerator“ getauft hat. Per QR-Code gelangt der Betrachter auf die Heimatgenerator-Website, auf der man sich aus verschiedensten Assoziationen eine eigene Heimat erstellen kann. Das wiederum führt zu der Frage, ob man vor der zunehmenden Verlagerung der Gefühle aus dem realen in den digitalen Erlebnisraum dort Heimat wirklich finden kann?

Symbolstark dagegen zeigt sich die Arbeit von Rossmann + Partner aus Karlsruhe. Sie haben eine vergoldete Baumwurzel in einen Holzcontainer gepackt und gedichtet: verwurzelt / in der Heimat / Heimat ist kostbar / wie Schmuck in einer Schatulle / im Container verschickt / fern der Heimat / entwurzelt. Vielschichtig und sphärisch ist die begehbare Installation vom Frankfurter Büro BilleBeyeScheid: Während man sich ins Innere des mit Spiegellamellen versehene kreisrunden Raumes stellt, werden die „Heimatbilder“ vom Inneren aufs Äußere projiziert, sodass die Person mit den Heimatbildern verschmilzt.

Ebenso geistreich, aber melancholisch akzentuiert erscheint die Arbeit von msm Meyer Schmitz-Morkramer, die inspiriert durch das Zitat „Die Heimat ist nicht das Land, sie ist die Gemeinschaft der Gefühle“ von Louis Antoine Saint-Just eine Box gestaltet haben, in der viele mit Spiegelfolie überzogene Pappfiguren auf der Suche nach Heimat sind, während nur eine gelbe sie anscheinend gefunden hat. Gelb sind auch die „All Plastic Chairs“ von Jasper Morrison für Vitra, die RitterBauer Architekten zu einer Mauer aufgetürmt haben. Ganz pragmatisch haben die Aschaffenburger damit die Frage von „Grenzen“ und „Gemeinschaft“ vor dem Hintergrund der Flüchtlingswelle auf eine Installation mit Möbeln übertragen. Ihr Gedanke: Die Stühle können nicht nur eine Mauer bilden, sondern auch Tore – oder einen Stuhlkreis.

Viel abstrakter wirkt da der große schwarze Rahmen, in dem das Planungsbüro Obermeyer rote Schnüre verspannt hat. Damit hat das 1400 Mitarbeiter starke Unternehmen die ausgewogenste Installation geschaffen – zwischen Abstraktion und konkreter Relevanz, zwischen der Wirkung von außen und der von innen. Rote Schnüre sind vom Boden zur Decke verspannt und verbinden auf der Basis von sich gegenüber spiegelnden Landkarten jeweils zwei Punkte: den Geburtsort und den Wohn- beziehungsweise Arbeitsort eines Mitarbeiters. „Mission accomplished“, denkt man sich – und verlässt den Showroom von Vitra mit der Frage, bien sûr, „wo oder was ist denn eigentlich meine Heimat?“

Ampelphase 8: same same, but different
Vitra Showroom
Gutleutstraße 89, 60329 Frankfurt am Main
Geöffnet bis zum 15. September 2017
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 10:00 bis 13:00 und 14:00 bis 18:00 Uhr