Neubau Hotel Roomers, Baden-Baden

Understatement im Roomers

Alles andere als ein klassisches Schwarzwald-Hotel ist das erste Architektur-Projekt von Piero Lissoni in Deutschland. Der Architekt und Designer verlieh dem Fünfsternehotel Roomers seine unverkennbare Handschrift: zeitgemäße, sinnliche Eleganz.

Autorin Marie-Luise Mugrauer

Herr Lissoni, worauf haben Sie denn so lange gewartet?“ „Es hat mich bis jetzt eben noch niemand gefragt“, erwidert das italienische Universaltalent mit Achselzucken. Tatsächlich ist das Baden- Badener Luxushotel Roomers das erste Architekturprojekt des omnipräsenten Piero Lissoni in Deutschland.

Als die Anfrage von den Betreibern Micky Rosen und Alex Urseanu im Mailänder Büro von Lissoni eintraf, ließ er sich nicht lange bitten und plante mit seinem Team von Lissoni Architettura das Gesamtkonzept, Interior-Design sowie die Fassadengestaltung und Gartenanlagen des Roomers.

Die Grundkonzeption des Gebäudes entwickelte das ortsansässige Architekturbüro KHP von Urban Knapp und Marcus Haedecke.

Das international agierende Büro legte besonderen Wert darauf, dass sich die moderne Hotelarchitektur – samt strahlend weißer Putzfassade und großzügigen Fensterfronten – stimmig in die Umgebung einfügt. Dennoch bildet das zeitgenössische Bauwerk einen bewussten Kontrast zu den historischen Gebäuden der Nachbarschaft. Auch das Festspielhaus Baden-Baden befindet sich in unmittelbarer Hörweite; gestalterisch zitieren die hellen und dunklen Fassadenelemente des Hotels die einzelnen Noten einer Partitur.

God is in the details

Jedes Roomers-Hotel, als Teil der Gekko-Group, erhebt den Anspruch, das lokale Lebensgefühl widerzugeben: „Die Atmosphäre der Kur- und Bäderstadt Baden-Baden inspirierte uns. Luxus, Kultur und Natur waren dabei wichtige Elemente, die wir miteinander kombinierten, um eine harmonische Balance zu finden – kurz gesagt: sophisticated understatement“, erklärt Architekt Lissoni.

Schon beim Betreten der Lobby wird die Bedeutung seiner Worte klar: Imposante, antike Kirchenportale mahnen die Gäste zur Aufmerksamkeit; handelt es sich doch nicht um eine gewöhnliche Unterkunft. „Die spanischen Kirchenportale haben wir in Baden-Baden gefunden. Der Gedanke dahinter war, etwas Unübliches zu zeigen, wodurch schon das Betreten des Hotels zu einer ganz anderen Erfahrung wird“, erklärt Lissoni. Dieses Spiel mit den scheinbar antagonistischen Elementen des Interior-Designs ist nur eine kleine Vorschau, die der Gast beim Durchschreiten der reich kassettierten Holzportale inmitten der weißen Fassade erhält. „Mein Verständnis von Modernität ist, antike Elemente mit zeitgenössischem Design zu kombinieren; dadurch entsteht eine harmonische Balance und sinnliche Erfahrung“, summiert Lissoni.

„Die Lobby ist nicht klassisch gestaltet. Transparenz ist die oberste Priorität. Es ist ein multifunktionaler Bereich; Gäste treffen sich hier und plaudern, sie spielen Billiard oder lesen vor dem Kamin. Es ist ein öffentlicher Raum, der sich wie ein privates Wohnzimmer anfühlt“, beschreibt Lissoni. Zu diesem Empfinden trägt die raumhohe Glasfassade bei, die das Foyer umgibt und in natürliches Licht taucht. Durch die minimalistische Gestaltung erfasst der Gast augenblicklich die gesamte Raumsituation.

Helle und dunkle Farben in sanften erdigen Tönen schaffen im Eingangsbereich ein elegantes und natürliches Ambiente. Materialien unterschiedlicher Texturen und die fein gemaserten Holzböden und -decken ergänzen die repräsentative Anmutung.

Auf fünf Ebenen verteilen sich 130 Zimmer und Suiten in neun Kategorien. Die Gestaltung der Räume stellt den Gast und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. „Die ungewohnte und spannungsvolle Kombination von antik und modern soll Emotionen beim Gast wecken“, beschreibt der Architekt seinen Ansatz.

Lichter Raum

Die helle, minimalistisch-elegante und klar strukturierte Gestaltung sorgt für eine behagliche und entspannende Umgebung. Natürliche Materialien wie der Holzboden im Schlafbereich sowie die Steinböden und -wände in den Badezimmern ergänzen die wohnliche Atmosphäre. Als Trennung von Schlafbereich und Bad dienen bronzefarbene Paneele, die je nach Bedarf gedreht werden können.

Beim Interior der Lobby, der Bar, des Restaurants sowie der Zimmer und Suiten arbeitete Lissoni mit italienischen Unternehmen wie Cassina, Flos, Boffi, Glas Italia, Lema, Living Divani und Porro zusammen. Berühmte Designklassiker treffen auf aktuelles Produktdesign aus dem Hause Lissoni. „Mein liebstes Detail sind die Kuckucksuhren in den Zimmern und in der Bibliothek“, verrät der Designer mit einem Augenzwinkern. Die Uhren sind ein dezenter Hinweis auf die Umgebung; auch wenn das Hotel „bloß kein klassisches Schwarzwald-Hotel werden sollte“, betont der Italiener.

„Meine Grundidee war ein zeitgenössisches, überraschend schönes Hotel zu schaffen“. Neben den Zimmern und Suiten gehören verschiedene Veranstaltungsflächen für Banketts und Tagungen sowie ein großzügiger Spa- und Fitnessbereich zum Hotelangebot.

Das panasiatische Restaurant Moriki befindet sich im Erdgeschoss. Der Name setzt sich aus den japanischen Wörtern „mori“ für Wald und „ki“ für universelle Lebensenergie zusammen und beschreibt das Konzept der Küche, das auf Naturverbundenheit und Ganzheitlichkeit setzt.

Auch hier gelingt es, den scheinbaren Antagonismus zwischen Schwarzwaldumgebung und japanischer Kochkunst aufzuheben; verbindet doch die schlichte, puristische und elegante Handschrift von Piero Lissoni das gesamte Konzept.


Piero Lissoni

Architekt, Designer und Art Director Lissoni Architettura Gründungsjahr: 2013

Arbeitsgebiete: Architektur, Hotel-, Restaurant-, Retail-, Exhibition-, Interior- und Produktdesignwww.lissoniassociati.de

Porträt: G. Gastel

Factsheet

Projekt: Hotel Roomers

Standort: Lange Straße 100,

76530 Baden-Baden

Bauherr: Franz Bernhard Wagener

Bauaufgabe: Hospitality

Baubeginn: 2014

Fertigstellung: 2016

Überbaute Fläche: 11 846 m²

Anzahl der Geschosse: Zweigeschossige Tiefgarage, Erdgeschoss plus fünf Etagen

Materialien (Decke Wand Boden):

Erdgeschoss: Wandtäfelungen mit dunklem Holz oder Ziegeln, akustische Holzdecke und Holzböden im öffentlichen Bereich, Steinböden und -wände ‚Nero Assoluto‘ im Spa- und öffentlichen Badbereich

Möblierung: Living Divani, Porro, Glas Italia, Cassina, Knoll, De Padova, Vitra, Carl Hansen, Baxter, Artek, Fredericia, Ton, Antonio Sciortino, Riva, E15

Sanitärbereich: Boffi

Beleuchtung: Flos, Oluce


The Roomers Hotel in Baden-Baden

Understatement

The first architectural project of Piero Lissoni in Germany is anything but a classical Black-Forest hotel. The architect and designer put his unmistakable stamp on this five-star hotel – contemporary, sensual elegance.

Author: Marie-Luise Mugrauer

”Mr. Lissoni, why on earth did you wait so long?” Shrugging his shoulders, the multitalented Italian answers: ”Nobody had asked me yet.” Baden-Baden’s luxury Roomers Hotel is indeed the first German architectural project of omnipresent Piero LIssoni.

When the request by Micky Rosen and Alex Urseanu, the operators of the hotel, arrived in Lissoni’s Milan studio, he wasted no time and started to plan the overall concept, the interior design and the façade and gardens with his Lissoni Architettura team.

The basic concept of the building was developed by the KHP local architects‘ studio of Urban Knapp and Marcus Haedecke.

This studio which works for clients the world over places special emphasis on the idea that modern hotel architecture, complete with a brilliantly white plaster façade and a generously designed window frontage, should fit harmoniously into the environment. Nevertheless this contemporary construction makes a deliberate contrast with the historical buildings of the neighborhood. The Festspielhaus Baden-Baden festival theater is located within earshot, and the hotel’s bright and dark façade elements bring to mind individual notes of a musical score.

God is in the detail

Each of the Roomers hotels, being part of the Gekko Group, claims to represent the local attitude towards life. ”We were inspired by the spa atmosphere of Baden-Baden. In this context, luxury, culture and nature were important elements, which we combined to find a harmonious balance. In short: sophisticated understatement”, explains Lissoni.

What he means becomes immediately clear when you enter the lobby: impressive antique church portals demand the guest’s attention, pointing out that this is not an ordinary hotel. Lissoni says: “We found the Spanish church portals in Baden-Baden. The thought behind it was to show something unusual so that you already have a quite different experience when you set foot into the hotel.” This play on what appears to be antagonistic elements in the interior design is only a small preview granted to the guest when passing through the richly paneled wooden portals amidst the white façade. Lissoni sums it up: “As I understand modernity, the aim is to combine antique elements with contemporary design; this achieves an harmonious balance and sensual experience.”

Bright space

“The lobby is not designed in a classical way. Transparency is top priority. It is a multi-functional area; here guests will meet and chat, they play billiards or read in front of the fireplace. It is a public area, conveying the impression of a private living room”. This feeling is enhanced by the room-high glass façade that surrounds the foyer and floods it with natural light. Thanks to the minimalist design, the guest will immediately understand the whole spatial setting.

Bright and dark colors in soft earthy shades create an elegant and natural ambience in the entrance area. Materials with various textures and fine-grain wooden floors and ceilings complement the prestigious appearance.

A humanistic approach

130 rooms and suites in nine categories are distributed over five levels. The design of the rooms focuses on the guests and their requirements. On the subject of his approach, the architect say: “The unfamiliar and intriguing combination of antique and new features aims at evoking the guests’ emotions.”

The bright, minimalistically elegant and clearly structured interior design provides for a cozy and relaxed atmosphere. Natural materials such as the wooden floor in the bedroom area and the stone floors and walls in the bathrooms add to the homely atmosphere. Bedroom and bath are separated by bronze-colored mirrored panels that can be swiveled as needed. For the interior design of the lobby, the bar, the restaurants and the rooms and suites Lissoni co-operated with Italian companies such as Boffi, Cassina, Flos, Glas Italia, Lema, Living Divani and Porro. Famous design classics meet contemporary product design by Lissoni. With a twinkle in his eye, the designer reveals that his “most beloved detail are the cuckoo clocks in the rooms and in the library”. As the Italian emphasizes: “The clocks are a discreet reference to the environment, even if the hotel was to become anything but a classical Black-Forest hotel. My basic idea was to create a contemporary, surprisingly beautiful hotel.“

In addition to its rooms and suites, the hotel offers various spaces for events such as banquets and meetings and a generously dimensioned spa and fitness area.

The pan-Asian Moriki restaurant is located on ground level. The name is composed of the Japanese words for wood = “mori” and the universal life energy = “ki”, and it describes the kitchen’s approach that focuses on closeness to nature and comprehensiveness.

Here, too, the designer succeeds in overcoming the apparent antagonism between the Black-Forest environment and Japanese cuisine, since the straightforward, purist and elegant signature of Piero Lissoni ties the whole concept together.

Piero Lissoni

Architect, designer and art director
Lissoni Architettura

Founding year: 2013

Work areas: architecture, hotel, restaurant, retail, exhibition, interior and product design