Ausstellung im Mak

Edles Gewand

Bereits 1905 wehrte sich die Wiener Werkstätte gegen den Einheitsbrei der Buchbinder – die rot, goldverzierten Einbanddecken vieler Werke – und ließ sich von der Arts and Crafts-Bewegung inspirieren. Die Ausstellung ‚Bucheinbände der Wiener Werkstätte‘ im MAK zeigt facettenreiche Einbandentwürfe.

Mit den bemittleidenswerten Büchern – Softcover, dünnes, graues Papier, schlechter Druck – auf den Wühltischen diverser Buchhandelsketten haben die circa 70 Exponate der Ausstellung ‚Bucheinbände der Wiener Werkstätte‘ im MAK so viel zu tun wie Kartoffelpüree aus der Tüte mit selbstgestampftem Tuffelmuus.

Eine Ausstellung über die Fertigkeiten der Buchbinder anno 1905-1930.
Dem Credo der Wiener Werkstätten (WW) „gutes Material und technisch vollkommene Durchführung“ und dem Gedanken des Gesamtkunstwerks verpflichtet, arbeiteten bereits seit 1904 die WW-Gründer Josef Hoffmann und Koloman Moser mit dem renommierten Wiener Buchbinder Carl Beitel zusammen. Das Repertoire der Buchbinderei war breit aufgestellt: Ledereinlegekunst, Blinddruck, Handvergoldung und Lederflechten. Die Materialien waren neben Kleister- und Tunkpapier teils exotisch: Stoffe, selten exotische Lederarten wie Krokodil-, Schlangen-, Perlrochen-, Eidechsen- oder sogar Froschhaut.
Manche Einbände nahmen direkten Bezug auf den Buchinhalt, andere blieben im Stil abstrakt mit geometrischen Formen und abstrahierten floralen Elementen. Nach 1918 fiel die Gestaltung teilweise verspielter und üppiger aus. Viele Künstlerinnen, darunter Irene Schaschl-Schuster, Anny Schröder, Hilde Jesser, Fritzi Löw, Gudrun Baudisch, Kitty und Felice Rix, Mathilde Flögl oder Maria Likarz-Strauss Bucheinbände entwarfen naturalistische figürliche Motive, aber auch Blumensträuße oder Blumenvasen. Hoffmanns Dekor ist zur gleichen Zeit raffiniert einfach: ab 1924 verwendete er rhythmisch aneinandergereihte wellenförmige Profile als dekoratives Element.
Fakt ist, mit ihrer Ideenfülle und professionellen handwerklichen Umsetzung lieferten die Bucheinbände der Wiener Werkstätte der österreichischen Buchbinder-Kunst wesentliche Impulse.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. Mai 2017
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