Smart Materials

Tipps für den Tipptisch

Obwohl kaum noch klassisch mit der Hand am Arm auf dem Schreibtisch geschrieben wird, heißt er noch so: Schreibtisch. Vielleicht noch einige Unterschriften kritzeln, aber sonst? Die Nutzung ändert sich. Was muss ein „Tipptisch“ eigentlich leisten?

Liegt bei Ihnen auf dem Schreibtisch ein Mousepad? Ja? Hoffentlich, weil sonst Ihre Computermaus nicht funktioniert. Es ist paradox: Immer noch werden Oberflächen als Schreibtischplatten angeboten, auf denen optische Mäuse nicht fehlerfrei funktionieren.

Der Einsatz einer entsprechenden Unterlage ist unvermeidbar. Doch selbst wenn Schreibtischoberflächen funktionieren, liegen auf vielen Arbeitsplatten Mousepads. Das Angebot dieser auf circa 20 x 25 cm geschrumpften „Arbeitsflächen“ ist riesig und kennt bei Farbe, Optik, Materialität und Form keine Grenzen. Zu mutmaßen bleibt, ob die Verbreitung der „Mausmatten“ darin begründet liegt, dass sie ein beliebtes Werbegeschenk sind, die einem auf jeder Messe hinterhergetragen werden oder sogar mit der Weihnachtspost als nett gemeinter Gruß verschickt werden. Die auf Wikipedia zitierten Vorteile „höhere Geschwindigkeit bei der Bedienung des PCs, höhere Präzision, höherer Komfort und Schonung der Tischoberfläche vor Kratzspuren“, kann ich so nicht bestätigen. Ein derartiges Utensil kommt bei mir nicht zum Einsatz, obwohl ich auf alle genannten Vorteile großen Wert lege. Wenn also nicht die Optik der Grund für den Einsatz eines Mousepads ist, sollten sich Mousepad-Nutzer überlegen, ob die Oberfläche ihrer Schreibtischplatte noch den heutigen Anforderungen entspricht. Tipptisch statt Schreibtisch.
Für eine recht neue Materialität trifft das zu. Obwohl sie hoch im Kurs steht und gerne eingesetzt wird, sollte man im Alltag die Funktionalität dieser neuen Materialien hinterfragen. Supermatte Oberflächen mit samtiger Anmutung begeistern zwar sowohl optisch als auch haptisch. Aber an stark beanspruchten Stellen – wo die Maus ihren „Auslauf“ hat – bilden sich bei falscher Materialwahl oben beschriebene Kratzer. Bei supermatten Oberflächen unschöne Glanzstellen. Die Folge: Ein Mousepad ist notwendig, um Haptik und Optik zu schützen.
Erfreulicherweise entwickeln die Hersteller ihre Materialien fleißig weiter. In jüngster Zeit gab es zahlreiche Optimierungen. Die Oberflächen sind deutlich härter, funktionaler und angenehmer. Wie lange es allerdings dauert, bis wir eine zeitgemäße Gattung von Schreibtischplatten einsetzen können, in der sowohl Tastatur als auch Maus bereits integriert sind, wird sich zeigen. Bereits verfügbare Touchscreens in die Waagrechte zu legen und dann als neue Generation von Schreibtischplatten anzupreisen, greift sicherlich zu kurz. Dann doch gleich einen Tipptisch.
Autor: Hannes Bäuerle