Serie Smart Material 21

Materialtradition & Handwerkskunst

Welche typischen Baumaterialien kommen aus Italien? Da werden zuerst die Fliesen genannt, dann die Natursteine und natürlich so namhafte Unternehmen wie Abet Laminati, die mit ihren Dekoren ganze Stilepochen prägten. Viele italienische Baustoffe haben eine lange Tradition und sind eng mit der großen Baukunst des Landes verbunden.

Fliesen aus Italien geben europaweit den Ton an. Viele ihrer Hersteller zählen international zu den Branchenführern und können auf eine lange Tradition zurückblicken. Nicht von ungefähr findet die Cersaie, Weltleitmesse für Fliesen und Keramik, in Bologna statt. Mit Produktinnovationen und Designs behaupten sich die italienischen Unternehmen gegen die immer stärkere Konkurrenz aus Asien. Auch wenn es für die Branchen in den letzten Jahren aufgrund des damit einhergehenden Preisdrucks eine starke Zäsur gegeben hat und einige tradierte Unternehmen vom Markt verschwunden sind. Klangvolle Namen wie Bisazza, Marazzi oder Graniti Fiandre schaffen mit ihren umfangreichen Kollektionen und engen Kooperationen mit Designern nach wie vor immer wieder Neues. Auch Mutina hat in letzter Zeit mit spektakulären Designs auf sich aufmerksam gemacht, unter anderem von Patricia Urquiola, Konstantin Grcic oder Ronan & Erwan Bouroullec.
Ein ebenso typisch “italienisches” Material ist der Naturstein, allen voran Carrara-Marmor, der zu den bekanntesten Marmoren der Welt gehört. Berühmt geworden durch so einzigartige Kunstwerke wie die kolossale Davidstatue, die von Michelangelo zwischen 1501 und 1504 in Florenz aus einem einzigen Marmorblock gehauen wurde. Über ganz Italien verstreut finden sich die Brüche, in denen neben Marmor beispielsweise Granit, Onyx und zahlreiche andere Kalksteine abgebaut werden. Oder Travertin, im Kolosseum und der St. Peterskirche in Rom verbaut. Bis heute werden aus den fein gemahlenen Steinen Farben und Putze hergestellt. Mediterrane Töne und Wandverarbeitungen erfreuen sich gerade in unseren Breitengraden großer Beliebtheit. Speziell der Kalkputz erlebt eine Renaissance. Ein ökologisches Material, das auf natürliche Art für ein gesundes Raumklima sorgt.
In Kombination mit Marmormehl lassen sich Beschichtungen herstellen, mit denen auch im Nassbereich, sprich Bad und Dusche, gearbeitet werden kann. Ein idealer Werkstoff für fugenlose Bäder. Allerdings ist dafür entsprechendes handwerkliches Können die Voraussetzung. Was aber tun, wenn dafür hierzulande an allen Ecken und Enden qualifizierte Maler und Gipser fehlen. Speziell das Gipsergewerk ist in den letzten Jahren in Deutschland beinahe ausgestorben. Die Folgen des Fachkräftemangels sind in der Eintönigkeit und mangelhaften Ausführungsqualität in jedem Neubaugebiet deutlich zu sehen. Dass es auch anders geht, beweisen Regionen wie Südtirol, wo man bei Neu- und Umbauten einen ausgezeichneten Umgang mit Materialien pflegt und archaische Baustoffe wie Naturstein, Putz oder Holz in hoher handwerklicher Qualität verarbeitet. Sorgfalt im Detail und eine moderne Formensprache machen die “alten” Baumaterialien heute hochaktuell.