Raum und Material

Es ist angerichtet

Recht räumlich hat das Designbüro Lukstudio dem wichtigsten chinesischen Grundnahrungsmittel ein Denkmal gesetzt: den Nudeln. Ist das etwa kein naheliegendes Narrativ für den Flagship Diner einer Suppen-Kette?

Nudeln sind ein essentieller Bestandteil der chinesischen Küche und haben eine jahrhundertealte, kulinarische Tradition. Für das Vorhaben des neuen, auf Nudelgerichte spezialisierten Flagship Diners für ‚Longxiaobao‘-Restaurants in Beijing wurde Lukstudio beauftragt. Das 2011 gegründete Designbüro mit Sitz in der quirligen Metro- pole Shanghai wird von Christina Luk geleitet. Die aus Hongkong stammende Architektin erhielt in Kanada ihre Architekturausbildung und hat mit ihrem jungen, internationalen Team in den letzten Jahren mit hochwertigen Ausbauten im Bereich Hospitality von sich Reden gemacht. Experimente mit Material, Licht und Schatten bestimmen die Arbeiten. Für das Gestaltungskonzept werden gerne narrative Komponenten innerhalb der Aufgabe identifiziert und in Designelemente übertragen. So entstehen ansprechende Räume, die den Besucher mit Details überraschen und noch lange in Erinnerung bleiben.

In diesem Fall waren es Nudeln. Die Teigwaren werden im Produktionsprozess über Gestelle gehängt, an denen sie trocknen. Eine abstrahierte Interpretation solcher Gestelle wird in dem Restaurant zum bestimmenden Raumelement. Zunächst wird man aber im Eingangsbereich von einer recht reduzierten Situation empfangen, die die Materialität des Innenraums vorweg nimmt: Korrodierte Stahlflächen bilden die Oberflächen des Vorraums, von dem aus man bereits in die Küche und in den Gastbereich blicken kann. Die Stahloberflächen setzen sich im Inneren fort: die Raumgitter der Essnischen und die Tischgestelle sind ebenfalls aus rostroten Stahlprofilen gefertigt.
Als Gast hat man die Auswahl zwischen drei unterschiedlichen Sitzzonen: Der Eingangsbereich mit langen Tresen-Tischreihen nimmt auf die Streetfood-Kultur der Nudelsuppen Bezug. Hier können Geschäftsleute aus der Umgebung ein schnelles Mittagsmahl einnehmen. Im Bereich dahinter finden sich bestuhlte kleinere Restauranttische, die zum längeren Verweilen einladen. Die hohen Metallgestelle bestimmen den Raumeindruck. In sie eingehängt sind Boxen aus Eichenholz, in denen Porzellanpreziosen präsentiert werden. Ein dritter Bereich bietet das Erlebnis, direkt unter dem Hauptgestaltungselement des Restaurants zu dinieren: einer zweistöckigen Installation, die das zentrale Thema des Restaurants inszeniert – Nudeln – und die zugleich der Beleuchtung dient. 10–14 m lange Stahlkabel, die im Abstand von 5 mm montiert sind, hängen in großen räumlichen Schlaufen von der Decke herab und enden in 75 cm Höhe über dem Esstisch. Eine Treppe führt um diese Installation herum in einen privateren VIP-Bereich im Obergeschoss. Auf dieser zweiten Ebene werden die Esstische von frei hängenden „Nudel“-Kabeln umschlossen.
Roher Charme
Diese flexiblen Raumteiler schaffen eine delikate und zugleich spielerische Atmosphäre. Um die passende Hängeform und den richtigen Kabelabstand zu finden, wurden vorab Mock-Ups der Gehänge von der ausführenden Firma angefertigt. Auch unterschiedliche Materialien wie Stoffstreifen oder Kunststoffschläuche mit Faseroptik wurden getestet. Letztlich stellten Stahlkabel mit einem Durchmesser von 2–3 mm aber die ästhetisch beste und zugleich kosteneffizienteste Lösung dar.
Der rohe Charme des Raumes mit seinen Zement-Wandoberflächen, wird durch die linearen Elemente der Kabel und Gitter, die wie räumliche Zeichnungen wirken, gefasst und durch warme Elemente aus weißer Eiche ergänzt. Teile des Bodens, Tischoberflächen und Vitrinen sind aus dem Holz gefertigt. Schlichte, schwarz und rot lackierte Stühle setzen Akzente im Raum. Jenseits der inszenierten Lichtinstallation im Treppenauge sind die Räume durch Spotlights illuminiert, die sich formal zurücknehmen, jedoch die Essplätze sehr pointiert ausleuchten. Es entsteht eine reduzierte und zugleich spielerische Atmosphäre, die mit ihren unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten den Besuch nicht nur zu einem kulinarischen, sondern auch zu einem räumlichen Erlebnis werden lassen.    ←